Impulse

in der gegenwärtigen Corona-Krise haben Sorgen und große Ängste sehr viele Menschen weltweit befallen. Die einschlägigen Verordnungen und Regeln haben tief in unser privates, gesellschaftliches und kirchliches Leben eingegriffen. Feste, Ferien, Gottesdienste; Treffen, Begegnungen mussten ausfallen. Es gab keine Besuche, aufmunternde gemeinsame Stunden mit den Verwandten, Freunden, Bekannten, Nachbarn zu Hause, im Krankenhaus und Altenheim. Die Menschen haben Angst vor Ansteckung, vor einem schweren Krankheitsverlauf, vor wirtschaftlichen Folgen, Arbeitsplatzverlust, Angst um einen kranken Angehörigen und um die Zukunft.

 

Wie man sich in einer solchen Situation fühlt, kann man im Evangelium zum Pfingstfest nachspüren. Es ist die Angst, die uns mit den Jüngern verbindet. Ihre Hoffnungen und Pläne sind zerstört. Sie hatten sich eingeschlossen, da sie befürchteten, dass sie das gleiche Schicksal erleiden müssen wie Jesus: Ablehnung, Verspottung. Verurteilung und schließlich der Tod. Sie erlebten eine tiefe Krise, auch eine Glaubenskrise: Worauf seither Verlass war, worauf sie ihr Leben in den zurückliegenden Jahren aufgebaut hatten, was ihnen wertvoll und sogar heilig geworden war, wurde ihnen genommen.

 

Sie hatten aus Angst die Türen verschlossen und spürten eine Beklommenheit, die nicht mehr frei atmen ließ. Sie fühlten sich schwach und ohnmächtig, wie wir in dieser Corona-Krise: Unsere Glaubenspraxis, Hoffnungen, Gewohnheiten, Selbstverständlichkeiten, vieles, was einfach ganz alltäglich zu uns und unserem Lebensalltag gehörte, wurden uns genommen. Sicherheiten sind zerbrochen. Was wir noch nie erlebt haben und auch nicht wirklich ausdenken konnten, ist bei uns und weltweit hereingebrochen.

 

Mitten in die verzweifelte und hoffnungslose Situation hinein wurde den Jüngern eine Erfahrung zuteil: Die Erfahrung des Pfingstgeistes, die sie verwandelte und befreite. Plötzlich erlebten die Jünger Jesus, der durch verschlossene Türen hineinkommt und sie mit dem Wort „Schalom-Frieden“ begrüßt. Sie erkennen ihren Herrn wieder. In diesem Erkennen löst sich die Angst und verwandelt sich in Freude.

Dann haucht der Herr die Jünger mit dem Heiligen Geist an.

 

Das Anhauchen der Jünger erinnert an die Erschaffung des Menschen (Gen 2,7), als Gott Vater den Menschen aus Erde vom Ackerboden formte und in dessen Nase den Lebensatem einblies: „So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ In gleicher Weise lassen sich die Jünger beim Anhauchen durch den Auferstandenen zu neuen lebendigen Menschen formen. Dieser Geist des Auferstandenen begründet alles Leben. Er ist der Geist der Geschwisterlichkeit, der Geist der Versöhnung und der Gerechtigkeit, der Geist des Trostes, des Vergebens und des Heilens, der Geist des Teilens und des Helfens, vor allem der Geist der Hoffnung und des Friedens. Alles Handeln aus diesem Geist und in diesem Geist atmet göttliche Zuneigung und Nähe. Es ist eine geistliche Kraft, geschenkt und übertragen von Mensch zu Mensch.

 

Die Freude, die die Apostel bei der Begegnung mit dem Auferstandenen erfahren, kommt vom Heiligen Geist. Diese Freude befähigt sie, sich auf den Weg in ein neues Leben zu machen, Verantwortung zu übernehmen, für sich selbst und für die ihnen Anvertrauten. Sie werden beauftragt, Sünden zu vergeben.

 

Als Getaufte und Gefirmte sind wir heute die Jünger und Jüngerinnen. Der Herr sagt uns: Macht euch auf, öffnet die Herzen und Türen, lasst den Heiligen Geist herein, baut nicht Grenzen und Zäune, lasst Luft und Atem herein. Seht, ich sende euch als von Freude erfüllte Friedensboten: Habt keine Angst in der Corona-Pandemie, fallt nicht in Selbstmitleid und übertriebene Alltagssorgen. Beschäftigt euch nicht mit euch selbst, konzentriert euch darauf, was Gott von euch will: Glaube, Hoffnung und Vertrauen sollen gerade jetzt ihren Ausdruck in der Gottes- und Nächstenliebe finden.

 

 

Gottes Nähe, Zuwendung und Liebe begleiten euch. Als vom Heiligen Geist erfüllte Jünger und Jüngerinnen geht zu den Menschen, die in größerem Leid, in Not, Hoffnungs- und Trostlosigkeit gefangen und gefesselt sind. Helft ihnen, bindet sie los, befreit und heilt sie. Denn all das Gute, das ihr anderen tut, kommt letztendlich euch zugute. Denn wisst: „Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens bis zum Ende der Welt!“

 

Von der Ostkirche ist uns das nachfolgende Gebet zum Heiligen Geist geschenkt:

 

Komm Heiliger Geist, heilige uns,

Erfülle die Herzen mit brennender Sehnsucht

nach der Wahrheit, dem Weg,

und dem vollen Leben.

Entzünde in uns dein Feuer,

dass wir selber davon zum Lichte werden,

das leuchtet und wärmt und tröstet.

Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden,

die von deiner Liebe und Schönheit sprechen.

Schaffe uns neu,

dass wir Menschen der Liebe werden,

deine Heiligen – sichtbare Worte Gottes.

Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern

und alles wird neu geschaffen.

Komm Heiliger Geist,

schenke uns Hoffnung und Zuversicht

gerade in diesen Krisenzeiten,

belebe uns und tröste uns,

heilige uns, stärke uns,

bleibe bei uns alle Tage unseres Lebens

in deiner Gnade, Kraft und Macht. Amen

Frohes Pfingstfest